Bali ist doch schon ziemlich verschrien. Immerhin fliegt da halb Australien hin, um Urlaub zu machen. Mallorca für uns, Bali für die. Aber man sollte sich Dinge selber anschauen, bevor man anfängt, darüber zu reden.

Fanny und ich haben unfassbares Glück: Sonja, eine ganz liebe Designerin und Besitzerin vom Kaufhaus Schrill, vermittelt uns eine wunderschöne Villa, die sie selbst gestaltet hat. Die Haus ist eine Mischung aus Exotikblumen, Zebra und Neon, liebevoll und verrückt, mit Hängematten und Koykarpfen und Bananenstauden im großen Garten.

Bali ist anders, als viele der anderen 17000 Inseln: Bali ist größtenteils hinduistisch, während 88% der Indonesier muslimisch sind. Es gibt deshalb überall Statuen von Ganesh, dem Elefantengott und auf dem Boden stehen oft kleine aus Blättern gewebte Opferschälchen mit Räucherstäbchen, Geld und Blumen. Die Haushälterin der Villa erzählt uns, dass ihr Alltag auch davon ausgefüllt wird, sich um die Familie und den Glauben zu kümmern. Pray, eat, cook, repeat.

Ihr Sohn Como ist Personal Driver. Das ist ein ziemlich begehrter Job. Man fährt Touris durch die Gegend und verdient dabei echt gut. Fast alle Freunde von Como machen das. Und wenn keiner einen Personal Driver braucht, hat man halt mal ein, zwei, drei Tage nichts zu tun. Dann chillen die in einem kleinen Häuschen am Straßenrand, hören Musik, quatschen, rauchen und freuen sich, wenn Mädels wie Fanny und ich sich dazusetzen und mithelfen, mit den Standardsprüchen Leute anzuquatschen. Yes Mister, Taxi yesyes? Yes? YES? We have!























Um die Insel zu erkunden, leihen wir uns Roller. Leider ist keiner von uns beiden jemals Roller gefahren. Kein Witz. Deshalb müssen wir das kleine Mädchen anlügen, das den Rollerverleih managed. Klar sind wir schon mal gefahren und wissen, wie das geht! Den Abend verbringen wir mit YouTube Tutorials: How to drive a scooter.

Es ist machbar, wir schaffen es tatsächlich unfallfrei außer Sichtweite und an der ersten großen Kreuzung schlittert Fanny mit ihrem Roller auf den Boden. Eventuell zu schnell um die Kurve gefahren. Wir bekommen zum Glück Desinfektionsspray von netten Indos und lassen den abgebrochenen Spiegel in einer Garage am Straßenrand austauschen. Dann fahren wir weiter, etwas langsamer, aufmerksamer. Vorbei an Märkten, Reisfeldern und den klassischen Bali-Häusern, von denen wir erst denken, es seien Tempel und deshalb aus Versehen in den Innenhof von einer alten Frau und ihrer Tochter hineinmarschieren. Die sind aber sehr nett, erzählen uns etwas auf Indonesisch, das wir leider nicht verstehen, versorgen uns nochmal mit Desinfektionsspray und Mandarinen und Wasser.

























Wir machen auch viel Nichts. Also: Smoothies trinken, laut Musik hören, in den Hängematten liegen und genießen. Nasi Goreng ist das indonesische Nationalgericht – Reis mit Ei und Gemüse. Das ist schon mal ein paar Tage lang gut, dann ist es nur noch so mittelspannend. Allgemein gibt es viel Frittiertes, viel Fleisch, viel Reis. Reis mit Reis, Fleisch mit Reis, Frittiertes mit Reis, Fleisch mit Frittiertem und manchmal gibt es ein bisschen grünes Gemüse und Erdnusssauce.













Es gibt hier so viele Frangipani-Blumen, dass die überall herumliegen. Fallen einfach von den Bäumen und liegen dann auf dem Boden, wünderschön und duftend. Es ist Bali-Style, die sich ins Haar zu stecken, erklärt uns eine Frau in der Wechselstube.

Oh, und wir treffen Luci und Madeleine! Zwei Freundinnen, mit denen wir studieren und die zufälligerweise zur gleichen Zeit auf Bali sind. Ein Stückchen Heimat am anderen Ende der Welt.















Es ist nicht schlimm, dort zu sein, wo andere Touristen sind. Mich nervt das auch an mir selbst, dass untouristisch das neue Codewort für Anti-Mainstream-Urlaub ist. Irgendwie erlebt ja eh jeder etwas anderes. Es wäre auch ganz schön egoistisch, etwas Schönes nur für sich zu wollen, vor allem, weil es einem ja eh nicht gehört und man genauso viel oder wenig Anspruch darauf hat, wie jeder andere. Irgendwann auf der Reise hat ein alter und eigentlich gar nicht mal so weiser Mann zu mir gesagt: Wie, du willst wohin, wo es untouristisch ist? Wo willst du denn dann schlafen, wie willst du dich versorgen, du sprichst ja gerade mal ein paar Brocken indonesisch! Und dir ist ja wohl auch klar: Sobald du dort bist, ist es nicht mehr untouristisch.
Ich fand das relativ einleuchtend und versuche seitdem, das Wort untouristisch zu vermeiden. Es klappt leider noch nicht so gut.









BERGBLONDINEN

LÁNGOSLAND

BLUMENINSEL

YEAH!